Musik auf Sackpfeife und Trommel, Gaukeley, Jonglage & Flammenspiel
Bernartius und Bombastus möchten an dieser Stelle einen ganz besonderen Dank an Marlene Fischer sagen, welche das obscure Duo in einer sehr schönen Geschichte verewigt hat. Wir möchten Euch alle daran teilhaben lassen, darum lest hier

"Das Duo Obscurum im traurigen Land"

von Marlene Fischer

Es war einmal ein armes Land, in dem regierte ein grausamer kalter Herrscher. Er ließ jeden zum Tode verurteilen, der nicht Ende jedes Jahres einen hohen Betrag seines erarbeiteten Geldes in die gierigen Hände der ohnmächtig blassen Lakeien, ihres fürchterlichen Königs zu geben vermochte. Somit lebte das ganze Volk in Angst. Jeder arbeitete hart, selbst die kleinsten Kinder und die ältesten Greise mussten sich mühen, um die hohe Abgabe anzusparen. Kein einziger der Menschen wusste was es heißt, Freude zu empfinden. Wie es sich anfühlt in einem Wald spazieren zu gehen, die Vögel zwitschern zu hören oder wie es ist ausgelassen verstecken zu spielen. Ein jeder dachte täglich über die ihm verbleibende Zeit nach und war stets besorgt, da die hohe Abgabe nur schwer zu erreichen war. Das Volk dieses Landes war weit über die Grenzen des Reiches bekannt für dessen typischen Gesichtsausdruck. Ihre Gesichter zeigten tief herunterhängende Mundwinkel und traurige, mit schwarzen Ringen umrandete Augen. Hinzu kamen dürre, von der Arbeit und Angst geschundene Körper. "Halt! Hier kommt ihr nicht vorbei, zwei Taugenichtse können wir unserem Land nicht gebrauchen!", rief der Zollwächter mit strenger Stimme den zwei entgegenkommenden Spielleuten zu. "Aber mein Herr, wir sind das Duo Obscurum. Wir bringen den Leuten Freude und Spaß.", entgegneten die Spielmänner verwundert. " So was Unnützes braucht unser Volk nicht. Nur wer hart und beständig arbeitet, hat sich einen Platz hier verdient." "Freude braucht jeder Mensch. Schaut in den Himmel! Dort fliegt ein Vogel, was denkt ihr, wenn ihr ihn seht?" Der Zöllner guckte mürrisch in den Himmel. " Wenn man den Vogel schießen würde, könnte man vielleicht einen Gulden auf den Markt für ihn bekommen, den würde ich für die jährliche Abgabe sparen. Somit wäre die Chance des Überlebens größer." erörterte der Zöllner nervös überlegend. " Mein Freund Bernartius van Troethoven und ich, Bombastus von der Heiden, sehen dir fehlt etwas ganz Wichtiges und dies sind nicht die Gulden noch sonst etwas, dass du mit deinen Händen greifen kannst. Doch lass uns dir ein wenig Gesellschaft leisten und du wirst merken, was dir fehlt." Der Zöllner war erstaunt, er meinte in seinem harten, aber anständigen Leben alles erreicht zu haben, was ein Mann braucht. Er hatte eine Frau, drei Kinder und ein Einkommen, das fast reichte, die jährlichen Abgaben für seine Familie zu bezahlen. Natürlich arbeiteten die Kinder und seine Frau auch und so kamen sie knapp über die Runden. "Das einzige, was fehlt, sind die Gulden.", stellte er wiederum fest. Das ihm aber etwas anderes Wichtigeres fehlte, bemerkte jeder, welcher von der Existenz desjenigen wusste. Die Mundwinkel hingen dem Zöllner tief herunter, die Augen guckten traurig und sein ganzer Körper krümmte sich nach unten. Auch seine Stimme klang, wenn er nicht gerade schrie, sehr zittrig und gebrochen. Soweit er sich zurückerinnern konnte, hatte er nie etwas anderes als Leere und Angst in sich gefühlt. Nur in seiner Jugend, als er seine Frau kennen lernte, fühlte er etwas, eine süße Traurigkeit. Er errettete sie damals vor dem Tod durch den Strick. Sie hatte ihre jährliche Abgabe nicht zahlen können, da sie einen Tag zuvor beraubt wurde. Er, überwältigt von dem fremden Gefühl, kaufte sie mit seinem hart angesparten Geld, welches er für Notzeiten zurückgelegt hatte, frei. Die Frau, von einem ihr unvertrauten Gefühl großer Dankbarkeit erfüllt, war nun für immer verbunden mit diesen Mann. Doch dann siegte wieder Leere und Angst über jegliches Gefühl. Jeder arbeitete hart, in einem täglichen Überlebenskampf. Die Spielleute, im Gegensatz zum Zöllner, strahlten jedoch, von innerer Freude und Abenteuermut erfüllt. Bernartius mit seinem langen wallenden Haar wirkte beschwingt und leicht wie eine munter fiedelnde Geige. Bombastus mit seinen hexenroten Haaren und beruhigend grünen Augen war das begleitend tiefe Cello. Zusammen waren sie das DUO OBSCURUM, das finstere Gespann, ihre Instrumente waren eine große Trommel, ein Dudelsack und eine Schalmei. "Lasst uns für euch spielen und ihr werdet die Dinge dann vielleicht anders sehen." Der Zöllner wollte den beiden Einhalt gebieten, da Musik in diesem Land strengstens verboten war. Doch Bombastus hatte sich schon eine große Trommel umgehängt und Bernartius längst seinen Dudelsack unterm Arm und schon begann eine Melodie die Luft zu erfüllen. Doch sie erfüllte nicht nur die Luft, sie erfüllte auch das Innere. Sie drang tief in das Herz des Zöllners und befreite dort die schönsten Gefühle von der Angst und Leere. Er spürte Freiheit, Freude und Abenteuermut in sich aufwallen. Während die Musik ihn verzauberte, blickte er nun wieder in den Himmel und sah den Vogel. Nun verstand er, er war frei wie ein Vogel. Diese Erkenntnis beglückte ihn so sehr, dass sein Körper sich augenblicklich veränderte. Sein Rücken wurde nun aufrecht und gerade. Seine Mundwinkel zogen sich nach oben und seine Augen leuchteten vor Freude. Sein ganzer Körper schien von einer schweren Last befreit, die auf seine Schultern gedrückt hatte. Er fing sogar an zu tanzen. Der Rhythmus ergriff seine Füße, seine Arme, seinen Körper. Hätten seine Frau und Kinder ihn so gesehen, sie hätten ihn für einen Fremden aus einen fremden Land gehalten. Die Spielleute beendeten, erfreut über die Veränderung des Zöllners, ihr Spiel und beglückwünschten ihn zu seinem neuen Leben. "Ihr seid ein wahrhaft guter Tänzer, sagt, wo habt ihr das gelernt?", fragte Bernartius neugierig. " Da bin ich selbst überfragt, ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas Schönes überhaupt gibt. Ihr müsst unbedingt in unser Land ziehen und dem Volk diese wunderschöne Musik spielen. Ihr werdet sicherlich reich dafür belohnt werden. Ich selbst wünschte eurer Musik täglich lauschen zu können.", antwortete der Zöllner in höchster Euphorie. " Das erfreut uns sehr, dass ihr uns nun in euer Land ziehen lasst. Wenn ihr wirklich an unserer Musik interessiert seid, könnt ihr morgen, zur Stunde, da die Sonne den Horizont berührt, auf dem Marktplatz eurer Hauptstadt ein weiteres Konzert von uns besuchen. Und bringt eure Familie mit.", erwiderte Bombastus amüsiert. "Oh ja, ich bin mir sicher, das ist das schönste Geschenk, das ich meiner Frau und den Kindern machen kann. Also dann, vielen Dank und nehmt als Zeichen meiner Dankbarkeit diese Flasche Met mit euch . Meine Urururgroßmutter hat sie damals, als noch ein andrer König dieses Land beherrschte, bei einem alten, weisen Kräuterweib erstanden. Es heißt, er hätte Wunderkräfte. Dies ist ein unberührtes Heiligtum meiner Familie, doch ihr habt es euch wahrlich verdient." Das Duo Obscurum nahm das Heiligtum gerührt an. Sie konnten sowieso Met und Wein niemanden abschlagen und glücklich zogen sie ihres Weges. Wie löblich die Taten des Duo Obscurum auch waren, hatten sie ihren Namen, welcher "die finsteren Zwei" bedeutete, nicht umsonst. Beide hatten jeder Regel von Obrigkeiten abgeschworen, führten ein Leben in Freiheit und Raubeinigkeit. Auch der Kirche hatten sie sich entzogen, schlimmer noch, sie hatten Sympathie für den Teufel. Eine von Bernartius Feststellungen war, dass das Harfespielen mit den Engeln im Himmel schnell langweilig würde und dass die Hölle im Gegensatz dazu gemütlich warm wäre. Wer mit solch einer Weltsicht lebt, der hat auch die Nacht auf seiner Seite. Dunkelheit war die schönste Tageshelle für die beiden, denn um diese Zeit klang ihr Spiel noch viel leidenschaftlicher, als wäre der Teufel in ihnen. Als sie den Zöllner schon weit hinter sich gelassen hatten, brach nun langsam die Abenddämmerung an. Sie holten den Met aus der großen Ledertasche und kappten ohne viel Federlesens den Verschluss. Ein traumhaft süßer Duft von Honig und Wein kroch in Bombastusī Nase. Keine hundert Schritte weiter hatten die beiden den Met schon brüderlich fast ausgesoffen. "Spürst du etwas, Bernartius?"- "Vielleicht ein bisschen Taumel, aber von Wunderkräften keine Spur. Hat aber wohl gemundet."- " Ja war auch ein guter Jahrgang. Wir sollten uns jetzt schleunigst einen gemütlichen Schlafplatz suchen. Es sieht nach Regen aus und die Instrumente müssen trocken bleiben. Außerdem bin ich stinkemüde.", kommentierte Bombastus mit einem langezogenen Gähnen. Sie fanden eine alte Spelunke. Die Wirtin, welche die beiden in Empfang nahm, sah nicht sehr einladend aus. Düster und misstrauisch beäugte sie die beiden. "Ich weiß nicht was ihr hier sucht, ihr seht mir nicht nach zahlenden Gästen aus.", sagte die griesgrämige Wirtin den beiden nun direkt ins Gesicht. "Ihr habt ein wahres Gespür für Menschen. Wir haben kein Geld, doch beabsichtigen wir hier wohl zu speisen, zu trinken und ein warmes Bett zu genießen.", informierte Bombastus mit schmeichelnder Stimme. Die Wirtin zückte ein Messer, dass sie unter ihrem schmuddeligen Kittel verborgen hatte und ihre Augen sprühten Funken vor Wut und Angriffslust. "Bernartius, schnell die Instrumente!" rief Bombastus seinem leicht verunsicherten Freund zu und schon standen sie in voller Montur, mit Trommel und Dudelsack und begannen den Raum mit Musik zu erfüllen. Die Alte aber war entsetzt, nie zuvor hatte sie in ihrem Leben etwas ähnliches gehört und befürchtete gleich müsse der Teufel zur Tür hineinspringen. Die Melodie nahm ihren Lauf, durch sie zerbarsten die Stille, der Schmutz und das Trübsal, welche jenes Wirtshaus schon seit Jahren in Besitz genommen hatten. Wie auch der Zöllner, wurde die griesgrämige Wirtin von der Melodie verwandelt. Ihre harten Gesichtszüge lösten sich auf in schimmernde Jugend. "Hurra, das Leben ist schön! Wie dumm war ich jahrelang zu glauben es wäre anders. Seid willkommen in meinen Haus. Essen, Trinken und einen guten Schlafplatz sollt ihr haben. Bitte entschuldigt mein schreckliches Verhalten. Beschämt schmiss die nun bezaubernd schön gewordene Wirtin das Messer in die Ecke. Das Duo Obscurum nickten ihr freundlich zu und beendeten ihr Spiel. Die nun zu neuer Jugendlichkeit erwachte Wirtin sprang hinter den Tresen und holte eine große Flasche Wein und drei Weinkrüge hervor. "Nehmt Platz! Von nun an seid ihr stets willkommen bei mir."- "Bombastus, hast du das gehört? Das ist ja ein Sinneswandel wie wir ihm heut schon einmal begegneten. Unsere Musik scheint hier geradezu magische Wirkung zu haben.", gab Bernartius seinem schon Wein trinkenden Freund mit zwinkerndem Auge zu verstehen. Im Grunde wussten die beiden nämlich schon seit sie kleine Kinder waren, dass sie magische Fähigkeiten hatten, die sich vor allen ausdrückten, wenn sie mit einem Instrument in Berührung kamen. Schon damals hatte Bernartius herausgefunden, dass er tote Schmetterlinge mit seinen Schalmaienspiel wieder zu neuem Leben erwecken konnte. Bombastus hatte als Kind entdeckt, dass er durch einfaches rhythmisches Trommeln die aggressivsten, wildesten Hunde in zarte, schmusebedürftige Lämmer verwandeln konnte. Dass sich die beiden dann in ihrer Jugend kennen lernten, war geradezu schicksalhaft. Nun saßen die drei, Bombastus, Bernartius und die Wirtin, welche sich Mathilde nannte, in gemütlicher Runde, tranken den Wein und erzählten bis in den frühen Morgen über dies und jenes, aber vor allen Dingen schmiedeten sie Pläne, wie sie das Land von der Traurigkeit befreien konnten. Es war schon später Vormittag, als Bombastus vom Gesang eines Vogels erwachte, welcher sich direkt auf das Fensterbrett des offenen Fensters gesetzt hatte. "Tschilp!, Tschilp!", zwitscherte der Vogel geradezu fordernd, als wüsste er, dass das Duo Obscurum eine Aufgabe zu erledigen hatte. Bombastus pfiff dem Vogel ein kleines Lied entgegen und schon flog der kleine Spatz auf seine ausgestreckte Hand. " Hallo, du kleiner. Mich brauchst du hier nicht zu schelten, ich bin bestimmt schon seit einer Stunde in Aufbruchstimmung. Flieg doch mal zu meinem faulen Freund, der wacht sonst erst morgen Abend auf." Kaum hatte es Bombastus dem Spatz zugeflüstert, flog dieser schon auf das Kopfkissen von Bernartius. "Tschilp!, Tschilp!, Tschilp!" klang es nun noch fordernder als vorhin. Nichts tat sich, Bernartius schlief fest wie ein Fels. Er schien weit weg in seinen Träumen gefangen. Der Spatz nahm wütend eine lange Haarsträhne und zupfte mächtig daran. "Aufwachen!, Aufwachen! Ey, du alter Faulpelz. Schwing deine Hüften aus dem Bett, es wird schon fast wieder Abend und wir haben noch einen Auftritt auf dem Marktplatz oder willst du den Zöllner und seine Familie umsonst antanzen lassen?!" Bernartius öffnete die Augen mit Mühe. Das Zupfen des Spatzen erinnerte ihn daran, dass er sich heute Zöpfe machen wollte. "Wähh, will noch schlafen, aber du brauchst immer so lange bis du meine Haare ordentlich geflochten hast.", meinte Bernartius und sprang munter aus dem Bett. Der Vogel hatte sich inzwischen auf das Fensterbrett gesetzt und pickte nach einem Wurm, der sich im löchrigen Holz verbarg. "Ein Glück trägst du nicht jeden Morgen diese Zöpfe."- "Beeil dich! Aua!!! Nicht so doll, das ziept gewaltig."- "Schön und gut , aber ich denke, wir sollten einen anderen Plan fassen.", grübelte Bombastus nachdem er Bernartius seine zwei langen Zöpfe, die durch ein Band zusammengehalten wurden, geflochten hatte. "Es wird Zeit, dass wir den König kennen lernen. Er scheint mir ein riesiges Scheusal zu sein, nach dem, was man so hört.", sprach Bombastus mit Nachdruck in seiner Stimme. "Scheusal, mmh... Sag mal findest du mich eigentlich scheußlich mit diesen Zöpfen?", fragte Bernartius leicht gedankenversunken. "Nein, sie stehen dir wunderbar, hat zwar etwas prinzessinnenhaftes, aber ansonsten ganz nett. Hörst du mir eigentlich zu? Ich will, dass wir noch heute, nach unserem Auftritt auf dem Markt, den König aufsuchen. Dieses Volk hat lang genug gelitten, es wird Zeit, dass wir ihm etwas vorgeigen oder auch -spielen."- "Jawohl!", stimmte Bernartius in Bombastus dynamischen Tonfall ein. "Es wird Zeit. Lass uns schreiten!", sagte Bernartius nun wieder mit spielerischer Stimme und tänzelte ausgelassen vor Bombastus Nase herum. Der Marktplatz war überfüllt. Es hatte sich rumgesprochen, dass es zwei Wahnsinnige vorhatten das Gesetz zu brechen, indem sie mitten auf dem Marktplatz musizierten. Zu dem Zweck wurde hart vorgearbeitet, um ein wenig freie Zeit zu haben. Andere nahmen ihre Arbeit, zum Beispiel ihr Strickzeug, einfach mit. Jeder wollte die Todesmutigen bestaunen, denn dass den beiden der Tod erwartete, stand fest. Auch die Wachen und Gesetzesdiener waren schon angerückt und lauerten den zwei Gesetzesbrechern auf. Das Duo Obscurum blieb innerlich gefasst, sie waren es gewöhnt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und Nervosität schlich sich spätestens zum Beginn des Auftritts ins Nichts. Mindestens 300 Augenpaare waren auf sie gerichtet, nachdem sie sich flegelhaft auf einem Monument für den regierenden König breit gemacht hatten. Aber von diesem erhöhten Platz war man nun mal für alle gut sichtbar. "Lieber dem Wahnsinn verfallen, als ein Leben in Gefangenschaft.", verkündete Bombastus mit kräftiger Stimme. "Schaut euch um, meine Brüder und Schwestern, ein jeder von euch sei seines eigenen Glückes Schmied.", fügte Bernartius mit ebenso lauter Stimme hinzu. "Wir sind gekommen um euch den Wahnsinn ins Herz zu pflanzen, denn der Teufel ist uns ein guter Freund und er ist wie wir, mein Freund Bombastus von der Heiden und ich, Bernartius van Troethoven, der Ansicht, ihr solltet der verbotenen Musik lauschen." Im Volk guckte ein jeder verlegen in die Runde. Sollte man dieser Musik lauschen oder dem Gesetze folgend sich vom Marktplatz entfernen? Ein jeder war zerrissen, doch die Neugier siegte und schon begann der eindringliche Klang des Dudelsacks die Luft zu erfüllen und ein tiefer dröhnender Trommelschlag folgte. Bernartius war in seinem Element, er warf sich mit seinem Instrument in die Höhen und Tiefen der Musik. Bombastus gab mit seinen tiefen Trommelschlägen einen Rhythmus, der bis in die Knochen jedes einzelnen drang und im Bauch ein wohliges Gefühl erzeugte. Das Volk, anfangs noch starr vor Verwunderung und Angst, begann sich nun zu entspannen. Ein kleiner Junge, welcher vorne am Podest des Duos stand, tat es nun Bernartius gleich, warf sich in die Musik und schüttelte sein Haar im Rhythmus. Die älteren Menschen, um ihn herum, fühlten sich davon leicht schockiert und beklemmt, doch nach ein paar Augenblicken verloren sie die Scheu und taten es ihm gleich. "He Junge!", rief Bombastus bewundernd "Du machst das sehr gut, komm doch hiermit hoch und zeig allen wie es geht!" Der Vater des Jungen blickte seinem Sohn ermunternd zu, es war der Zöllner, der seiner Familie die besten Plätze in der Nähe des Podestes gesichert hatte. "Halt! Im Namen des Königs, ihr seid verhaftet; wer an einem öffentlichen Platz musiziert, verdient die Todesstrafe." Eine Scharr von dunklen Kreaturen, allesamt Diener des Königs, hatte die Bevölkerung brutal beiseite gestoßen und sich zum Duo vorgearbeitet. Die wortführende Kreatur, welche an Hässlichkeit seine Mitstreiter übertraf, ließ das Duo Obscurum in Ketten legen und in die dunklen Kerker unterhalb des Königsschlosses bringen. Dort lagen die beiden nun in Ketten und hatten nichts als die Dunkelheit um sich herum. Doch das fanden sie ganz passend, da sie somit schon mal in der Nähe des Königs waren und Dunkelheit war nun mal ihre liebste Tageshelle. "Bernartius, ich habe riesigen Hunger. Hast du nicht noch etwas in deinen Taschen.", fragte Bombastus quengelnd, doch mit wenig Hoffnung. "Keine Ahnung, durch die Ketten bin ich leider nicht im Stande, dir ein knuspriges Brathähnchen mit Rotkohl und Klößen aus meinen Taschen hervorzuzaubern", antwortete Bernartius mit leichter Genervtheit und Ironie. Wart doch einfach bis der König kommt, um uns unsere Todesart und -weise darzulegen. Wir singen ihm ein Ständchen und dann lädt er uns sicher zum Essen ein. "Na hoffentlich kommt der bald.", knurrte Bombastus. Minuten strichen dahin, Stunden flossen ins Nichts, schließlich vergingen auch zwei Tage. Bombastus und Bernartius vertrieben sich die Zeit derweil mit zweistimmigen Liedern und auswendig gelernten Schauspielen, wobei Bernartius gerne die Rolle der Prinzessin oder holden Maid spielte und Bombastus bevorzugt Schurken und Ungeheuer imitierte. Weiterhin vertrieben sie sich die Zeit mit Albernheiten, mit dem Spiel "Ich sehe was, was du nicht siehst", meist war es die Dunkelheit, mit den Aufzählen von Dingen, die sie jetzt gerne essen würden, welche Frisur Bernartius wohl am besten stehen würde... Ihr Repertoire an Albernheiten und Gaukeleien war so reich, dass die Zeit wie ein Pferd in Galopp an ihnen vorbeizog. Sie waren gerade darin vertieft eine Geschichte mit Drachen und entführten Jungfrauen zu erfinden, als sie plötzlich ein schauriges Stöhnen hörten. "Hast du das gehört Bernartius?"- "Ja, Bombastus beschütze mich!", bibberte Bernartius, während er versuchte so weit, wie es ihm möglich war, zu Bombastus zu rutschen, doch seine Ketten an den Händen verboten diese Schutzsuche. "Uhu! Uhu!", stöhnte das sie umgebende Dunkel." Wer ist da?", fragte Bombastus nun mutig, weil in die Rolle des Beschützers geschubst. "Wer immer du auch sein magst, lass dir gesagt sein, der Teufel ist uns ein sympathischer Gesell. Wir lieben die Dunkelheit und deren Kreaturen.", rief der Beschützer Bombastus nun auffordernd. Aus dem Dunkel löste sich eine durchscheinende Gestalt. Es war ein kleiner Junge, höchstens zwölfjährig. Sein Körper schimmerte weiß und durchscheinend, er war in die Kleider eines jungen Adligen gehüllt. "Hallo ihr zwei! Ich kenne euch und ich liebe euch und eure Musik über alles!"- "Das ist ja echt schön, aber ich kann mich nicht entsinnen, je einen Geist in unserem Publikum gesehen zu haben.", reagierte nun Bernartius recht erleichtert und in gesprächssüchtiger Stimmung. "Mm, liegt vielleicht daran, dass ich mich meist in der Dunkelheit verstecke.", antwortete der Bube nun erfreut. "Ich bin übrigens kein echter Geist. Ich bin nämlich noch lebendig. Ich habe zumindest noch einen Körper.", fügte er nach einer kurzen Pause leicht traurig hinzu. "Ach ja wo ist der? Du könntest uns dann helfen diese langsam lästig werdenden Ketten von uns zu nehmen.", fragte Bombastus nun recht interessiert. "Nun ja mein Körper liegt momentan im Bett des Königs, denn ich bin der König.", sprach der Knabe mit leichten Stolz. "Du bist der König!" riefen Bernartius und Bombastus verwundert im Duett. "Ja, ich weiß, ihr fragt euch wie das sein kann, der grausame König ein kleiner Junge...Aber ich bin das Innerste des Königs, der wahre Teil, der in ihm ist. Ich kann mich nur frei bewegen, wenn ich träume. Tagsüber bin ich gefangen in mir und bin mir meines wahren Teils in mir nicht bewusst. Ich weiß, dass ich grausame Dinge tue und veranlasse, doch bin ich machtlos in meiner Unbewußtheit. Ich habe mich damals, als meine königliche Mutter vom König, ihrem angezwungenen Ehemann ermordet wurde, in mein Innerstes verkrochen und anderen Mächten, die mein Weltbild erschüttert hatten, die Führung meines Lebens überlassen. Als ich begriff, was ich da tat, war es zu spät, ich war gefangen in diesem Irrsinn. Seitdem streife ich jede Nacht umher und suche Hilfe." Bombastus und Bernartius sahen sich, den gleichen Gedanken habend, zustimmend an. "Es ist uns eine große Ehre dir zu helfen.", tönten sie im Duett daraufhin. "Wir haben zwar keinen Plan, aber das Glück ist uns oft hold.", fügte Bombastus hinzu. "Nun sag, wirst du dich unsrer erinnern, wenn du in den Morgenstunden im Körper des Königs erwachst?", fragte Bernartius mit drängelnder Neugier. "Ich befürchte, es wird lediglich eine verschwommene, unterdrückte Ahnung in meinem Geiste sein, sobald ich erwache.", antwortete der kleine, durchscheinende Junge missmutig. "Aber mir kommt da eine Idee. Solange ihr hier in Ketten seid, werdet ihr mich morgen bei meinem Kerkerbesuch nur mit Worten beeinflussen können. Doch diese Worte sind schwer gefunden. Jedweder Gedanke prallt an mir ab, wie eine Blume nicht in einen Stein fallen kann. Ich verrate euch deshalb den Namen meiner Mutter. Vielleicht bricht das meine Gedankenmauer. Sie hieß Theresa. Nun muss ich leider fort ich spüre, wie es mich in meinen Körper zurückzieht, da ich erwache." Kurz darauf löste sich der Prinz in Luft auf. Jedweder grübelnder Gedanke blieb den beiden erspart, da sich daraufhin der Kerkermeister mit klingelnden Schlüsseln näherte. In der Dunkelheit erkannten sie nur grobe Umrisse und Schwapp waren sie mit eisig kalten Wasser übergossen. "So, hix damit ihr dem König auch sauber gegenüber steht.", lallte der Kerkermeister, der anscheinend den Abend zuvor den Becher voll Wein zu oft in sich hinein gekippt hatte. "Was glotzt ihr so, das war vermutlich das letzte Bad eures räudigen Lebens, seid gefälligst dankbar!", fügte der schon schwankende Wärter hinzu. "Sehr großen Dank für eure Freundlichkeit, aber wir bevorzugen ausschließlich wohltemperierte Bäder. Nichts desto trotz sei ihrer Freundlichkeit damit genüge getan, vielen Dank.", bibberte Bernartius, zwang sich aber doch ein Lächeln auf das Gesicht. "Was redest du so hochwohlgeboren? Ehe die Sonne untergeht, bistīn Kopf kürzer. Dann war's das für euch beide hix. Ah, da kommt er schon hix, um euch die freudige Todesbotschaft zu bringen. Bisher landete jeder, der hier an Ketten lag, den nächsten Morgen auf den Totenberg.", flüsterte der Trunkene den beiden noch schnell zu. Im nächsten Augenblick trat der düstere König in die Zelle und der Wärter warf sich ehrfurchtsvoll auf die Knie. Bernartius und Bombastus sahen sich den König verdutzt an. Absolut nichts deutete an, dass in diesem leichenfahlen, grimmigschaurigen Wesen die Seele des kleinen freundlichen Prinzen steckte." Ihr zwei seid schuld, dass mein Volk in Aufruhr ist und sollt gerecht dafür büßen.", brach die tiefe, knarrende Stimme die Stille. Sie ähnelte dem Klang einer Eisentür, die zu wenig geölt wurde. "Habt Erbarmen, ach hoher Meister, äh König. Wir wollten dem Volk nur ein bisschen Freude machen.", reagierte Bombastus leicht spöttisch. "Freude? Ihr seid träges Pack und steckt meine Untergebenen mit Trägheit an.", spie der König mit wutverzerrter Grimasse den beiden ins Gesicht. Aber da ich ein gütiger Mensch bin und heute gut gefrühstückt habe, dürft ihr euch eure Todesart auswählen.", griente er mit böse funkelnden Blick. "Also ich möchte gevierteilt werden. Ich wollte schon immer wissen, wie es ist, wenn man mich zerreißt.", rief Bernartius freudig. "Und ich möchte gerne enthauptet werden, ich glaub das macht Spaß.", stimmte Bombastus mit Jubel ein. "Wann geht's los?", tönten sie im Duett. Der König schien etwas verwirrt, doch verbarg er seine Überraschung schnell hinter einer Maske aus Gleichgültigkeit. "Wie euch beliebt. Ich lasse mir noch ein warmes Bad bereiten, mich für diesen Anlass feierlich kleiden und dann sehen wir uns. Kerkermeister, bereite ihnen die letzten Lebensstunden so angenehm wie möglich!", flüsterte er dem Wächter mit vertraut listigem Blick zu, ehe er mit wehendem Umhang der Zelle entschwand. Für den Meister war dies der Befehl, die Gefangenen, wie üblich, vor ihrer Hinrichtung noch gehörig zu quälen. Doch der schlaftrunkene Wärter hielt sich kaum noch auf den Beinen und kippte einfach um, als der König außer Sichtweite war. Bombastus drängte es, endlich was zu essen und darum war er sehr sauer, als der Wärter umkippte, ohne seine Wünsche anzuhören. "Schönen Dank, jetzt haben wir vergessen den König über Theresa auszuhorchen." - "Pss...", zischte Bernartius. "Pss, Pss..."- "Was Psst du hier so rum?", fragte Bombastus verwundert. "Ach, ich überrede die dicke Ratte da drüben in dem Mauerloch uns den Schlüsselbund von dem Trunkenbold zu beschaffen.", berichtete Bernartius, stolz auf seinen genialen Einfall. Die Ratte rührte sich allerdings kein Stück, gelangweilt guckte sie die beiden Gefangenen an, gähnte, plumpste auf den Boden und machte ein Nickerchen. "Beeindruckend!", meinte Bombastus amüsiert, "aber du solltest schon richtig Rattisch sprechen." Daraufhin ließ Bombastus ein paar seltsam quiekende Geräusche ertönen. Die Ratte guckte verdutzt in Bombastus Richtung, sprang auf und machte sich sofort an die Arbeit. "Was hast du ihr gesagt, dass sie sich so ins Zeug legt?"- "Ich hab ihr eine Liebeserklärung dargelegt und versprochen sie zu heiraten. "Ich hoffe du stehst zu deinem Wort.", grinste Bernartius belustigt, während die Ratte an Bombastus hochkletterte und ihm die Schlüssel, die sie im Maul trug, in die Hand legte. Schnell waren sie dem Kerker entflohen und sahen seit langem wieder etwas Licht, welches die langläufigen Korridore des Schlosses beleuchtete. Alle Fenster waren verriegelt und verdunkelt, das Licht kam allein von den Fackeln, die alle fünfzig Schritte angebracht waren. Die Ratte saß nun auf Bombastus Schultern, denn sie war sehr anhänglich geworden. "Wir beschaffen ihr einen großen Käse, den hätte sie sich redlich verdient.", meinte Bernartius , während er, sich wieder frei fühlend, den Flur entlang hopste. "Fabelhafte Idee! Suchen wir die Speisekammer und dann retten wir das Land.", sagte Bombastus, auch recht beschwingt. Beide sprangen und hüpften gut gelaunt die in Fackellicht getauchten Korridore entlang, wobei sie lustige Lieder sangen. Sie ließen sich, ganz ihrem Gefühl und ihrer Nase vertrauend, zur Speisekammer führen, wobei sie etliche Räume durchquerten, von denen einer dunkler war als der andere; was sich dort befand, mochte man lieber nicht vermuten. Beide waren in ihren Gesang vertieft und so wunderten sie sich auch nicht, dass sie keiner Menschenseele über den Weg liefen. Bombastus setzte die Ratte in die Speisekammer, gleich neben einen riesigen Käse. Die Augen der Ratte leuchteten überglücklich, sie fühlte sich gebührend entlohnt. Das Duo Obscurum sättigte sich auch mit allerhand Speisen und machte sich dann auf, das Gemach des Königs zu finden. Diesmal hatten sie jedoch einige Probleme das Zimmer zu finden, der eine wollte nach links und der andere nach rechts und so standen sie fast eine Stunde in einem Korridor mit zwei Abzweigungen und diskutierten. Sie diskutierten jedoch mit sehr viel Freude, jeder ließ sich beeindruckende Dinge einfallen, um den anderen für seine Richtung zu überzeugen. Bombastus meinte zum Beispiel, dass aus seiner Richtung liebliche Melodeien erklängen, die wohl aus den Gemach des Königs kommen müssten. Bernartius meinte wiederum, gerade einen Drachen in seiner Richtung gesehen zu haben, der vermutlich den König bewachte. Schließlich entschieden sie, sich zu trennen, in der Vermutung auf diese Weise das Gemach schneller zu finden. Nach einigen getrennten Schritten trafen sie jedoch wieder aufeinander; die Abzweigungen führten beide auf den gleichen Flur. Als sie einander erblickten, fielen sie sich in die Arme, als hätten sie sich jahrelang nicht gesehen. "Ach, bin ich froh dich wieder zu sehen. Alleine wirken die Gänge des Schlosses doch recht gruselig.", meinte Bernartius erleichtert. Bombastus ging es ebenso, doch verbarg er dieses unter einem spöttischen Grinsen. "Bernartius, als ich eben den Gang allein gewandert bin, ist mir der Gedanke gekommen, dass wir nicht planlos in das Gemach des Königs stürzen sollten. Unsre Instrumente wurden uns ja leider genommen.", bemerkte Bombastus sich seiner Scharfsinnigkeit bewusst. "Oh, wie gut, das dir das eingefallen ist, nachher hätte der König ungerührt von unsrer Gegenwart seine nervigen Wachen auf uns gehetzt. Der kleine Geisterjunge meinte doch wir sollten den Namen seiner Mutter vor ihm in Erwähnung bringen.", grübelte Bernartius. "Wie wär es, wenn wir ein Lied über diese geheimnisvolle Theresa dichten.", schlug Bombastus freudig vor. "Oh ja toll, am besten zweistimmig.", rief Bernartius begeistert. Sie setzten sich in das Licht einer Fackel an der Wand. Bernartius kramte ein Stück Papier und Kohle aus seinen tiefen Taschen und schon begannen sie wild drauf los zu dichten. "Vor vielen, vielen Jahr Theresa, deine Mutter, dich gebar. Sie hatte so wunderschönes Haar. Dein Vater leider war ein Barbar.", schlug Bombastus spontan vor. "Nicht schlecht.", lobte Bernartius. "Was hältst du von meinem?" Er gab Bombastus den Zettel auf den ein längerer Text geschrieben stand: Dunkler König, was in dir ruht, ist Verborgenes hinter Wutanfällen, die dich quälen sehr. Wir kommen um das große Leergefühl von dir zu nehmen weg. Drum komm heraus aus den Versteckspielschloss, was du in dir gebaut. Doch kommst du nicht aus deinen hautengen Ketten. Ein tiefes Zauberwort, der Name einer Frau wird dich erlösen von Kettenqual, die Theresa dich retten. "Das klingt recht schön, doch reimen tut es sich nicht.", bemerkte Bombastus. "Oh, du musst es so lesen!"- und schon trug Bernartius sein Gedicht feierlich vor.

"Dunkler König, was in dir ruht,
ist Verborgenes hinter Wut-
anfällen, die dich quälen sehr.
Wir kommen um das große Leer-
gefühl von dir zu nehmen weg.
Drum komm heraus aus dem Versteck-
spielschloss, was du in dir gebaut.
Doch kommst du nicht aus deinen haut-
engen Ketten, ein tiefes Zau-
berwort, der Name einer Frau,
wird dich erlösen von Ketten-
qual, die Theresa dich retten."


Bombastus fand das Gedicht sehr gut und hatte sich derweil schon eine zweistimmige Melodie dafür ausgedacht. Er trug diese Bernartius vor und daraufhin sangen sie das Lied dreimal hintereinander im Duett. Wobei Bombastusī tiefe Stimme zu Bernartiusī hoher Melodie Gänsehaut machend harmonierte. Sie fühlten sich nun genügend gerüstet, um dem König zu begegnen. Während sie die Korridore entlangliefen, übten sie das Lied, welches den König verwandeln würde, noch ein paar mal. Gerade als das Duo von Neuem ansetzen wollte, das Lied zu singen, bemerkte Bernartius Qualm und Feuer am Ende des Flures. Verwundert blieben sie stehen. Nach einigen Augenblicken erlosch die große Flamme und im Qualm erkannten sie die Umrisse eines Drachen. "Da hattest du vorhin wohl mal wieder hell gesehen mit dem Drachen, der den König bewacht?", sagte Bombastus lächelnd. Tatsächlich ließ Bernartius sich oft Dinge einfallen, die, ohne dass er es wusste, die Zukunft prophezeiten. Das Duo war keineswegs beunruhigt. Im Gegenteil, Bombastus lief dem Drachen voller Freude entgegen. Er hatte schon viele Drachen kennen gelernt und kannte ihre Gesten und Bräuche. So verstand er sich auch auf Willkommens- & Freundschaftsbekundungen durch das Feuerspeien. Freudig griff er nach der Flasche des geheimnisvollen Trunkes, den Bernartius in seinen großen Taschen noch bei sich trug. Darin befand sich noch ein kleiner Rest. Bombastus nahm einen Schluck, griff eine Fackel von der Wand und spie für den Drachen, ein warmes großes Feuer in die Luft. Dann spie er noch drei mittelgroße Feuerwolken, drei kleinere und schließlich eine ganz kleine Flamme. Dies war der drachianische Brauch zu sagen "Ich möchte mit dir Freundschaft schließen." Als der Rauch sich auflöste, sahen sie einen freundlichen Jungdrachen vor sich, der vor Aufregung seine noch kleinen Flügel ausgebreitet hatte. Er streckte, als Zeichen seiner Freundschaft den beiden seine Vordertatze entgegen. Bombastus und Bernartius traten näher, ergriffen nacheinander seine Tatze und schüttelten sie kräftig. Nun war die Freundschaft besiegelt. Der Drache ließ sich von den beiden hinter den Ohren kraulen und ließ sie dann die Tür, die er hätte bewachen sollen, passieren. Sie betraten ein dunkles Zimmer und frostige Kälte umfing sie. Die Tür schlug hinter ihnen mit einen lauten Krachen zu. Nach einigen Sekunden gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit und sie erkannten den König, der völlig regungslos auf seinen Thron saß. Die beiden traten näher an ihn heran und sahen, dass seine Augen geschlossen waren. "Mm? Er muss schlafen, doch wo ist sein Traumselbst, der Junge?", wunderte sich Bombastus, während er sich zum König beugte, um dessen Atmung zu überprüfen. Plötzlich packten Bombastus zwei eisig kalte Skeletthände, rot glühende Funken stierten ihn aus der Fratze des Königs an und der sich öffnende Fratzenmund entblößte lange, messerscharfe Zähne. "Bernartius, das Lied!", rief Bombastus entsetzt, während er versuchte sich aus den festen Griff des Königs zu befreien. Schnell begannen sie das Lied zu singen.

"Dunkler König, was in dir ruht,
ist Verborgenes hinter Wut-
anfällen, die dich quälen sehr.
Wir kommen um das große Leer-
gefühl von dir zu nehmen weg.
Drum komm heraus aus dem Versteck-
spielschloss, was du in dir gebaut.
Doch kommst du nicht aus deinen haut-
engen Ketten. Ein tiefes Zau-
berwort, der Name einer Frau,
wird dich erlösen von Ketten-
qual, die Theresa dich retten."


Anfangs klang es noch holprig, doch von Silbe zu Silbe wurde ihr zweistimmiger Gesang lauter und kraftvoller. Als dann der Name "Theresa" erklang, begann der Zauber zu wirken. Der König entließ Bombastus aus seinen Händen und fiel auf seinen Thron in sich zusammen. Strahlendes, warmes Sonnenlicht trat plötzlich durch die Fenster und verwandelte die Dunkelheit. Das Duo, geblendet vom Licht, brauchte etwas Zeit, um sich an das grelle Licht zu gewöhnen. Als sie wieder auf den Königsthron blickten, saß da das kleine Geisterkind, doch diesmal war es aus Fleisch und Blut und lächelte ihnen zu. "Ihr habt mich erlöst. Von nun an werde ich das Land mit Liebe und Verständnis regieren. Ich bin euch sehr dankbar. Sagt, was ist euer größter Wunsch? Ich möchte ihn gern erfüllen.", fragte der sanftmütige König. Das Duo grübelte kurz und antwortete im Duett: "Wir wollen weiterhin durch euer Land ziehen und musizieren." Da sprang der junge König freudig auf, holte die Instrumente des Duos aus einer Truhe und überreichte sie den beiden. Die beiden, erfreut ihre Instrumente wieder zu haben, begannen sogleich darauf zu spielen. Die Musik zog das interessierte Volk in das leere Schloss. Die Nachricht, dass der König verwandelt war, ging in Windeseile um und so wurde im ganzen Land ein großes Fest gehalten. Alle Menschen begannen sich gleichsam zu verwandeln. Von da an waren die Menschen des Landes bekannt für deren lächelnde Gesichter und Freude funkelnden Augen. Das Duo Obscurum zog, wie es ihr Wunsch war, weiterhin von Stadt zu Stadt und erfreute die Menschen und wenn sie nicht gestorben sind, dann ziehen sie noch immer durch die Lande.

Von ihren Abenteuern, welche sie auf ihren vielen Reisen erlebten, soll ein andermal berichtet werden.

"Danke, Marlene!"


www.duo-obscurum.de